93 – Menschliche Inkompatibilität

Ich halte mich ganz generell für einen halbwegs sozialintegrativen Menschen.
Man kann mich in eine Gruppe Leute werfen und fast immer davon ausgehen, dass ich da zwei drei Verbindungspunkte finde, wenn ich das will.
Ich bin nicht schüchtern und nicht still und wenn ich das möchte betrete ich einen Raum und er ist voll. Mein Ego ist größer als mein Erscheinungsbild, und es gab schon Menschen die mich als Naturbekokst bezeichneten.

Trotzdem habe ich bisweilen extreme menschliche Inkompatibilitäten.

Ich helfe gern und wo ich kann- allerdings bin ich, wenn ich dabei an Grenzen meines Erfahrungshorizonts stoße, meistens komplett überfordert.
Wenn ich keinen Rat geben kann will ich nicht von Dingen faseln von denen ich keine Ahnung habe, und vielleicht Situationen verschlimmern. Also ziehe ich mich zurück.
Das wird bisweilen als Ablehnung verstanden, ist aber mehr ein Mechanismus zur Vermeidung größerer Schäden bei allen Beteiligten.

Ich hasse Lautstärke oder gleichzeitige Schallquellen die ich nur schwer orten / auseinanderhalten kann.
Am schlimmsten sind Menschen mit einer hohen Gesprächslautstärke, egal ob als Grundlevel oder als Ausdruck von Aggression.
Wer laut mit mir redet erntet immer häufiger nichts als Belustigung und Verkapselung, ein schiefes Grinsen und eine passiv aggressiv gerauchte Zigarette.

Ich weiß dass ich gelegentlich auch ein sehr lautes Grundlevel habe. Erstaunlicherweise kommt das aber vorallem vor, nachdem ich wieder ein paar Tage bei Familie / unter Menschen war.
Laberndes Kind, streitende zugehörige Eltern, quietschendes klapperndes Spielzeug und nebenbei ein plärrender Fernseher, unterlegt mit Staubsaugergeräusch oder ähnliche Situationen versetzen mich in einen Alarmzustand, von dem ich teilweise Stunden nicht runterkomme.
Das macht Familiengeburtstage für mich gelegentlich mehr zur Tortur als der eigentliche Inhalt der Gespräche an sich (als wäre der nicht bitter genug).

Ich rede gern und durchschnittlich viel, wenns aber um Dinge geht die mir wichtig, aber kritischen Inhalts sind, hasse ich reden.
Ich streite mich nicht verbal, ich werde mich im Streit nur verbal äußern wenn mir eine Sicherung fliegt. Ich lasse mich anschreien und ich grinse. Gegengedanken human äußern fällt mir unglaublich schwer, weshalb ich das fast immer auf irgendeine schriftliche Ebene verlege.
Da kann ich Worte wählen, und vorallem lässt man mich ausreden ohne dass ich selbst laut werden muss um mich durchzusetzen.

Leider verschiebt das sehr oft den Zeitpunkt der Eskalation nur.
Das ist ne Scheiß Angewohnheit von mir, und sie führt entsprechend oft zu Befremdung beim Gegenüber.

Keine meiner menschlichen Inkompatibilitäten ist wirklich schlimm – vorhanden sind sie trotzdem.

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