19 Zwischenmenschliches

Und wiedermal hat der @blogideekasten ein Stichwort geworfen, und diesmal ist es Nummer 19: Zwischenmenschliches in einer schnelllebigen Welt.

Zunächst muss ich aber anmerken dass ich in der priviligierten Situation bin, einen mehr oder weniger zwangsweise entschleunigten Alltag zu haben. Ich bin, zumindest momentan, nicht an Arbeitszeiten und nur selten an Termine gebunden. Mein Körper macht mir bisweilen auch recht effektiv klar, wenn ich langfristig wider besseren Wissens versuche nach fremden Uhren zu ticken. Ich kann mir also Zeit für Dinge nehmen und ich nehme mir sie auch. Ich weiß dass diesen Luxus nicht jeder hat, und dass meine Perspektive deshalb wohl nur eine sehr begrenzte Gültigkeit haben kann.

 

Ich bin kein großer Menschenfreund. Wochenends groß Party machen, draußen rumhüpfen und tausend neue oberflächliche dämliche Kontakte knüpfen ist mir zutiefst zuwider.

Trotzdem (oder grade deshalb) ist es mir enorm wichtig den Menschen, denen ich einen Platz in meinem Leben einräume, auch genug meiner Zeit freizuräumen.

Mein Telefon ist nie aus, und sofern ich nicht völlig komatös schlafe höre ich es auch und bin auf Abruf wenn irgendjemand irgendwas braucht. Jeder meiner Herzmenschen weiß, dass hier für ihn immer was zu essen, ein Kasten Bier und ein Bett stehen wird, im Ernstfall auch egal für wie lang. Das ist ein Anspruch den ich an mich habe, und ich denke bis jetzt wurde ich ihm immer einigermaßen gerecht.

 

Der zweite Punkt der bei dem Thema mitschwingt, ist wohl auch wie man Schnelllebigkeit und Flüchtigkeit empfindet.

Für viele hier sind zum Beispiel Onlinekontakte Dinge, die nie die Tiefe und Dauerhaftigkeit von „Offlinemenschen“ erreichen. Bei mir ist das nicht so. Ich kenne die meisten meiner Freunde und Bekanntschaften durch Internetkanäle, und einige davon wurden Freundschaften ohne die mein Leben eeeecht ein großes Stück beschissener wäre.

Erst heute habe ich wieder festgestellt wie unglaublich viel besser (im Vergleich mit jahrelangen RL-only-Bekanntschaften) zum Beispiel Twittermenschen wissen, womit man mich glücklich macht. So schenken mir zum Beispiel Teile meines RL-Only-Umfeldes regelmäßig Snickers, obwohl sie wissen dass ich Nüsse nur in begrenztem Maß vertrage.

Was tun Internetmenschen in Pakete die mich glücklich machen sollen?

Marmeladenkekse. Kinderschokolade. Pringles. Tee. Gummibärchen. Toaster. Schnaps. Wolle. Badekram. Und das nicht durch Zufall, sondern einfach, weil sie (meiner Erfahrung nach) deutlich empfänglicher und achtsamer für Detailfragen sind.

 

Mich nervt Unachtsamkeit für bekannte Bedürfnisse (sofern sie im Einzelfall wirklich bekannt sind). Unglaublich. 

RL Menschen telefonieren mit mir, fragen nach meinen Plänen und haben sie schon im Moment der Mitteilung wieder vergessen – besitzen aber die Frechheit mich dann anzugehen, weil ich mich nach eben getätigter Absprache richte, statt nach ihrer Phantasieinformation. Internetmenschen fragen ob ich gut gelandet bin.

RL Menschen sind teilweise nicht in der Lage, grobe Richtzeiten mitzuteilen oder werfen diese kurzfristig informationslos über den Haufen. Internetmenschen sagen mir wann sie wo gedenken aufzutauchen, und wenn sies nicht schaffen, schreiben sie wenigstens ein kurzes „miep“.

Diese Dinge sind mir wichtig, und ich freue mich jedesmal wieder, mit welcher Präzision das klappt.

Achtsamkeit ist wichtig. Beobachtet, was euren Mitmenschen wichtig ist, und versucht euch in irgendeiner Form drauf einzurichten, sofern es euch möglich ist. Ignoranz ist Scheiße, Unwissenheit dagegen nicht.

Und das ist eigentlich alles was es zu sagen gibt.

Versucht, auch wenn die Welt sich manchmal zu schnell dreht, einen Blick für die anderen zu bewahren.

Lächelt Menschen an. Versucht, Dinge zu tun mit denen ihr andere glücklicher macht. Versucht, anderen nicht lästiger zu sein als ihr müsst.

Das macht die Welt für alle Beteiligten schon zu großen Stücken besser.

 

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Eine Antwort zu “19 Zwischenmenschliches

  1. Dass dieses „aufeinander achten“ gerade auf Twitter so verbreitet ist, ist ja irgendwie schon paradox… Twitter ist ja in seiner Grundstruktur erstmal sehr offen. Jeder kann jedem (ent-)folgen, wie er gerade lustig ist. Das ist – im Gegensatz zum bösen, blauen Social Network – noch nicht mal daran gebunden, ob man sich „kennt“. Und dass gerade Twittermenschen so aufeinander achten, passt da irgendwie nicht ganz ins Konzept. Aber – Konzepte sind ja auch doof und langweilig. 😀

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