60 – Wurzeln

Über Wurzeln soll ich schreiben, sagt der Blogideekasten.
Wurzeln. Hat man sowas? Braucht man sowas?
Oder ist das ein überholtes Konzept, in einer Zeit von ständiger Mobilität und Bewegung?

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Was tun so Wurzeln eigentlich?
Naja. Das Zeug bindet dich. In erster Linie. Festgemauert in der Erden…
Nee Moment, das ist wieder was anderes.

Deine Wurzeln nähren dich, sorgen dafür dass du den ganzen Kram kriegst den du so brauchst.
Ihr wisst schon. Nom, Bier, Halt im Leben.

Aber vorallem definieren dich deine Wurzeln.
Wenn deine Wurzeln sagen du bist ne Deutsche Eiche, dann kannst du dich noch so drehen und wenden, zur Kartoffel wirst du nicht mehr.

In seinem wunderschönen Kommentar zu meinem „Generation Isolation“ Blogpost beschrieb der @ickemich weite Teile meiner Generation als entwurzelt.
Darüber hab ich lange nachgedacht, und ich glaube, zumindest für mich selbst kann ich widersprechen.

Ich kenne meine Wurzeln, ich bin mir ihrer äußerst bewusst, und vorallem weiß ich, dass sie einen ziemlich starken Einfluss auf mich haben, obwohl ich mich schon lange aus der Heimaterde gelöst hab.
Das fängt damit an, dass ich jedesmal wenn ich bei meiner Oma bin höre, dass ich genauso stur bin wie mein Opa.
Das geht damit weiter, dass ich regelmäßig verständnislos über meine Schwester den Kopf schüttle, die in so ziemlich jeder Hinsicht extrem nach meiner Mutter kommt.
Es geht weiter damit, dass ich die stoische (und zutiefst provokante) Ruhe meines Vaters und die Ungnädigkeit meines Opas in mir trage.

Aber ich weiß auch an welchen Stellen meine Wurzeln schon immer am verrotten waren, ich weiß wo sie Schwäche und Probleme in sich tragen.
Das fängt bei den seit zig Generationen vererbten Allergien an und hört bei der sehr unschönen Tendenz zur ausgeprägten inneren Eskalation auf.
Ich habe ein hohes Aggressionspotenzial, ich weiß von wem es kommt.
Und ich weiß, das einzige was mich aus Schwierigkeiten raushält ist meine mangelnde Physis.
Ich weiß ich darf nicht anfangen zu trinken wenns mir schlecht geht, weil ich sonst nicht mehr aufhöre.
Ich weiß, ich muss mir immer wieder in Erinnerung rufen was ich bin, und warum, damit Dinge in meinem Kopf bleiben und nicht meine Umwelt in Mitleidenschaft ziehen.

 

Ich kenne meine Wurzeln, sie sind stark.

Sie halten mich und sie binden mich, an meine Existenz und auch an meine Grenzen.

Und ich glaube, dass ist gut so.

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