147 – Heimweh

(Moop Mama – Rolling Stone)

 

Über Heimweh soll ich diesmal schreiben… und obwohl ich dieses Thema glaube ich sogar selber eingeworfen habe merke ich, dass es mir schwerer fällt als ich dachte. Warum? Weil ich keine Ahnung habe wie sich das eigentlich anfühlen sollte.

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Die meisten erleben Heimweh wohl wirklich zuerst als Kinder. Auf Klassenfahrten, Urlauben,  sowas. In der Natur der Sache liegt, dass ich das nie erlebt habe.

Als ich kleiner war sind solche Sachen nicht möglich gewesen. Zu hoch die Hemmschwelle, einerseits Angst dass wieder irgendwas mit den Knochen ist, andererseits aber auch die reine Praktikabilität. An Pflege musste gedacht sein, an so Kleinkram wie Toiletten, Waschbecken, Duschen. Rotz halt.

Deshalb fehlen mir auch diese ¨ alleine weg von Zuhause¨ Gefühle.

Später als die Dinge machbarer wurden, gab es kein Zuhause mehr das man hätte vermissen können. Man war froh wenn man mal das Elend nicht gesehen hat, selbst wenn es ein Vermissen gegeben hätte wäre der Fluchtinstinkt immer stärker gewesen.

 

Dann kam der Auszug, das Exil, die Jahre.

Heimweh hatte ich nie. Dazu fühlte man sich zu unwillkommen.

Heimat blieb im Hirn nur die Region. Die Landmarken.

Die kleiner werdenden Häuser, wenn man von der Stadt Richtung Heimatdorf fuhr. Die zunehmenden Weihnachtsleuchtereien um Weihnachten.

 

Das, was immer von der Heimat blieb, war der Lieblingsnachbar und der Gremlin. Bei einem wusste ich dass es stabil blieb, egal wo ich war – und der andere blieb einfach bei mir, egal wohin ich ging.

Schlimm wurde erst das letzte Jahr in Erfurt. Immer mehr merken, dass der Horizont nicht mehr der selbe war, dass man mit dem Volk nicht viel gemein hatte. Dialekt aus Prinzip. Heimatidentität als Distinktion – Und wenn sie noch so zurechtgelogen war. Denn man wusste ja, dass es kein Zuhause gibt, dass Zuhause Dinge am brennen waren.

 

Heimweh war für mich primär immer die Angst, nicht da zu sein wenn irgendwas eskaliert.

Jetzt sitz ich wieder hier, in dem was schonmal meine Heimat war, und hab immernoch keine. Ich freu mich immernoch über die Region und wie sie aussieht, weil ich sie liebe.
Aber Grund hier zu sein hab ich wohl auch nicht mehr, als überall anders.

 

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