84 – Ungerechtigkeit

Ungerechtigkeit also, hm?

Tja, ich hab die Fresse aufgerissen, der Blogideekasten bzw Fahnenflüchtig ist zur Hälfte mein Projekt und der Zufall hat so entschieden. Gut. Reden wir über Ungerechtigkeit.

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Was fällt also mir, Nachts um 4, minimal angetrunken und schlecht gelaunt zum Thema ¨Ungerechtigkeit¨ ein?

Nun, in erster Linie wohl, dass ich nicht daran glaube, dass es sie als Solche gibt.
Ungerechtigkeit ist in meiner Welt keine gegebene Größe, kein greifbarer oder auch nur annähernd rationaler Wert. Ungerechtigkeit ist schlicht und ergreifend einerseits ein rein menschliches Gefühl, andererseits aber wohl die Basis für ein philosophisch-moralisches Konstrukt auf dem eine Wertegemeinschaft ihre Verteilungsmechanismen aufbaut.
Damit meine ich übrigens nicht nur Verteilung materieller Dinge sondern auch so weicher Werte wie Zuneigung und Unterstützung.

Glaube ich daran, dass eine Gruppe aus den Gemeinsamkeiten ihrer individuellen Gerechtigkeits / Ungerechtigkeitsgefühle ein halbwegs relevantes moralisches Konstrukt bauen kann?
Ja.Nur so sind sowas wie Rechtssysteme und daraus resultierende Konsequenzen möglich.

Glaube ich an das Verteilungssystem, dass meine Gesellschaft sich auf Basis des herrschenden kollektiven Gerechtigkeitssinns aufgebaut hat?
Bedingt.

Glaube ich an die Relevanz des eigentlichen individuellen Gefühls, dass so gemeinhin als ¨Ungerechtigkeit¨ deklariert wird?
Nein. Denn von ¨Ungerechtigkeit¨ als individuellem Gefühl sprechen ist für mich immer leicht konnotiert mit so Dingen wie ¨Die Welt ist schlecht¨ ¨Schicksalsgläubigkeit¨¨immer ich¨ und generellem ¨Mimimi-ismus¨ .

Beispiel.
Fände ich es ungerecht, dass irgendwo in der dritten Welt irgendwelche armen Teufel kein sauberes Wasser zum saufen haben und ich Depp euch Nachts um 4 mit Schnapsgedanken belästigen kann?
Ja. Wenn dieser Fakt nicht primär darin begründet läge, dass es Arschlöcher gibt, die sich an diesen Zuständen ne goldene Nasenscheidewand verdienen. Nicht daran, dass die Welt ungerecht und schlecht ist.

Fände ich es ungerecht, dass ich Nachts um vier hier liege und mir Sorgen um Freunde mache die seit Monaten überlegen wo sie jetzt die nächste Miete herbekommen, während anderswo gewisse Menschen grad mit Koks und Nutten feiern?
Sicher. Aber auch das liegt daran, dass es Arschloch-Arbeitgeber, Arschloch-Amtsmenschen und Arschloch-Typen gibt. Nicht daran, dass die Welt ungerecht und schlecht ist.

Fände ich es ungerecht, wenn Typ A für Tat x in selber Konstellation 5 Jahre länger in den Bau geht als Typ B, weil irgendwem sein Gesicht nicht passt?
Selbstverständlich. Wenn dass dann nicht einfach nur das Symptom eines künstlichen Konstruktes einer Wertegesellschaft wäre, das, ratet mal – genau – im Zweifelsfall primär von Arschlöchern geprägt wird.

Was ich damit sagen will:
Gegen Gefühle seid ihr machtlos. Das, was ihr Ungerechtigkeit nennt, ist ein Gefühl und verdammt deshalb zu Macht- und Tatenlosigkeit.
Arschlöcher dagegen sind Menschen – kein hohes Schicksal.
Gegen Arschlöcher kann man was machen. Die kann man bekämpfen. Seis durch die vielbeschworene Weltrevolution oder durch Bleizucker im Kaffee. Manchmal reicht auch einfach ne freundliche Nackenschelle.

Redet euch also nicht auf ein persönliches Gefühl wie Ungerechtigkeit raus, wenn ihr eigentlich sagen wollt ¨das ist ein Umstand, der Murks ist, gegen den vorzugehen ich aber zu faul/feige/unfähig bin“.
Ihr dürft schwach sein. Ihr dürft unfähig sein. Ihr dürft feige sein, und meinetwegen auch faul.
Aber deklariert eure Gefühle richtig. Und wenn ihr ¨ich fühl mich machtlos¨ meint, gebts auch zu.

Danke.

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